Neue Märchen

Märchendefinition

Die Novelle

Gattung: Die Novelle ist eine kurze bis mittellange Prosaerzählung. Sie ist kein Volksstoff, sondern wird von einem Autor geschrieben. Genretypische Merkmale: Als Genre ist die Novelle schwer zu fassen. Goethe hat den Inhalt wie folgt beschrieben: "eine sich ereignete unerhörte Begebenheit". Das bedeutet, dass sich die Novelle auf ein Ereignis ("Begebenheit") konzentriert. Die Geschichte handelt von diesem Ereignis oder läuft darauf hinaus. Dieses Ereignis ist Kern der Handlung. Desweiteren muss diese Begebenheit real vorstellbar sein ("sich ereignete"). Die Novelle zählt also zur realistischen Literatur. Und das Ereignis muss zudem unerhört sein, d.h. es muss von besonderer Natur sein, indem es z. B. gegen gesellschaftliche Konventionen verstößt. Es kann auch ein Ereignis sein, dass den gewöhnlichen Gang der Dinge verändert. Beispiel: Patrick Süskinds "Die Taube". Ein Mann ekelt sich so vor einer im Flur sitzenden Taube, dass er nicht an ihr vorbei gehen mag und das Gebäude auf einem anderen Weg verlässt. Dadurch gerät sein Leben ins Wanken.

Novelle und Märchen

Märchen und Novelle haben gemein, dass sie kurze Prosaerzählungen sind. Jedoch zählt die Novelle eher zur realistischen und das Märchen eher zur fantastischen Literatur. Es gibt allerdings eine Überschneidung: die Märchennovelle. Oft werden längere Märchen als "Märchennovellen" bezeichnet. Doch es gibt auch eine andere Bedeutung des Begriffs: Ein Meisterwerk italienische Novellentradition ist das Decamerone (also das "Zehn-Tage-Werk") von Giovanni Boccaccio (1313-1375). Dabei handelt es sich um eine Novellensammlung mit einer Rahmennovelle: Zehn Personen schließen sich in einem Landhaus ein, um sich vor der Pest in Sicherheit zu bringen. Zehn Tage lang erzählt jede Person jeden Abend eine Geschichte (also eine Novelle). So enthält die Sammlung zehn mal zehn (also hundert) Novellen und die Rahmennovelle.

Dieser Tradition folgend hat Giambattista Basile das "Pentamarone" (also das "Fünf-Tage-Werk") geschrieben. Hier erzählen sich zehn Frauen fünf Tage lang jeden Abend ein Märchen. Diese Form der Rahmengeschichte wird ebenfalls als Märchennovelle bezeichnet.

Weiterführende Gedanken über die "Märchennovelle" finden sich auf novellenliteratur.de.

Weiterführende Literatur

  • Degering, Thomas: Kurze Geschichte der Novelle. München: Wilhelm Fink Verlag, 1994.
  • Gfrereis, Heike (Hg.): Grundbegriffe der Literaturwissenschaft. Stuttgart: Metzlersche Verlagsbuchhandlung, 1999.